Zur Rechtsfrage von Lothar, ob es sich streng genommen nicht um Notwehr handelte:
Ich kann die Frage nicht aus Sicht des amerikanischen Rechts beantworten, aber im deutschen Recht wäre sie sehr interessant. Denn in der Tat feuerte Devlin erst ab, als sein Opfer gerade dabei war, seine Waffe zu laden. Eine Notwehrlage bestand somit für Devlin, seine Tötung wäre auf den ersten Blick gerechtfertigt.
Es sprechen allerdings auch gewichtige Argumente gegen die Annahme einer Notwehr. Erstens, könnte man durchaus anführen, dass Devlin durch seine Äußerungen ggü. Seinem späteren Opfer (Aufdeckung der Lüge) die Notwehrlage bewusst herbeiführte, also "provozierte". Da er gar kein Interesse mehr an dem Geschäft hatte, kam er von Anfang an einzig mit dem Grund zu dem Treffen, sein Opfer zu töten. Wer jedoch lediglich unter dem "Deckmantel" der Notwehr tötet, handelt nicht gerechtfertigt.
Darüber hinaus spräche gegen eine Notwehr, dass Devlin in subjektiver Hinsicht nicht mit Notwehrwillen handelte. Zwar wird unter dem Aspekt des gegenwärtigen Angriffs seines Opfers Devlin freilich auch getötet haben, um sich zu verteidigen. Dieses Motiv rückt meiner Meinung nach allerdings dadurch vollkommen in den Hintergrund, dass Devlin wie erwähnt von Anfang an nur zu dem Treffen kam, um sein Opfer wegen des "Verrats" zu töten, oder mit Columbus Worten "hinzurichten".
Devlin also in diesem Fall eine gerechtfertigte Notwehrhandlung gutzuschreiben wäre meiner Meinung nach verfehlt, aber aus Verteidigersicht durchaus vertretbar.
@Encilai Es verdeutlicht doch die arrogante Hybris und Selbstsicherheit von Dr. Keppel, das Beweisstück nicht beseitigen zu müssen. Er wird gedacht haben, dieser lustige kleine Detektiv würde sowieso niemals auf die glorreiche Idee kommen, anstatt nach einem Revolver nur nach einem Adapter zu suchen, und falls Columbo ihn doch jemals in der Lampe finden würde, könnte er immer noch nicht beweisen, wer ihn dort versteckt hat. (Keppels Fingerabdrücke waren vielleicht abgewischt.) Wer sich so siegessicher fühlt, den sehe ich besonders gern verlieren.
Ein so intelligenter Mann lässt den Beweis über Tage in seinem Büro versteckt? Das Ding hätten die meisten gar nicht als solches identifizieren können. Auto fahren.. Hinter einem sind keine Scheinwerfer.. Kein Geräusch.. dann durchs offene Fenster ab in die Wicken, den Müll oder ein Gewässer. Wirkt konstruiert. Meine Meinung. Sonst ne gute Folge..
Sie lief gerade eben in der Wiederholung und ich bin da komplett bei Conan (aber auch bei Thomas in Sachen „ein pittoreskes Schauspiel“; ich sehe das nicht als schlecht an). Die erste Columbo-Episode, die ich gezielt gegoogelt habe, da ich sie schlicht herausragend geschrieben fand. Es mag irritierend wirken, daß der Mörder am Anfang so völlig out-of-range agiert und sein „Alibi“ zusammenscheißt, völlig verwirrt und gleichzeitig rational agiert. Ehrlich gesagt fand ich das auch eine sehr schwache Szene, die wohl nur zeigen soll, wie Columbo sofort ihn im Verdacht haben kann.
Anschließend aber zeigt die Folge für mich keine Schwächen mehr und ich freue mich immer, wenn Columbo sich in seiner typischen Manier mit dem Verdächtigen fast schon verbrüdert und auch dieser sich nicht gegen Ende in Animositäten ihm gegenüber versteigt. Auch der wunderbare Schlusssatz („Aber sehen Sie Columbo, in dieser Episode ist doch eigentlich der Mörder der Sympathischere“) erklärt sein Verhalten neben den Ausführungen von Conan auf einer weiteren Ebene: Er findet den Mord schlicht gerechtfertigt. Er wollte nicht überführt werden, wusste aber, wann er verloren hat (der kleine Zwischensatz „Ich weiß wirklich nicht, was diese lächerliche Demonstration bedeuten soll“ ist auch nur ein Alibi-Aufbäumen).
Die Folge ist in der Tat ein Kammerspiel, aber ein sehr gutes. Selten habe ich so eine schöne Begründung dafür gesehen, warum sich der Mörder zusammen mit Columbo in Begründungen für den Mord versteigt, obwohl er vorgibt, nichts damit zu tun zu haben. Für mich absolut eine 10 von 10 (trotz dieser einen schwachen Szene).
Sie lief gerade eben in der Wiederholung und ich bin da komplett bei Conan (aber auch bei Thomas in Sachen „ein pittoreskes Schauspiel“; ich sehe das nicht als schlecht an). Die erste Columbo-Episode, die ich gezielt gegoogelt habe, da ich sie schlicht herausragend geschrieben fand. Es mag irritierend wirken, daß der Mörder am Anfang so völlig out-of-range agiert und sein „Alibi“ zusammenscheißt, völlig verwirrt und gleichzeitig rational agiert. Ehrlich gesagt fand ich das auch eine sehr schwache Szene, die wohl nur zeigen soll, wie Columbo sofort ihn im Verdacht haben kann.
Anschließend aber zeigt die Folge für mich keine Schwächen mehr und ich freue mich immer, wenn Columbo sich in seiner typischen Manier mit dem Verdächtigen fast schon verbrüdert und auch dieser sich nicht gegen Ende in Animositäten ihm gegenüber versteigt. Auch der wunderbare Schlusssatz („Aber sehen Sie Columbo, in dieser Episode ist doch eigentlich der Mörder der Sympathischere“) erklärt sein Verhalten neben den Ausführungen von Conan auf einer weiteren Ebene: Er findet den Mord schlicht gerechtfertigt. Er wollte nicht überführt werden, wusste aber, wann er verloren hat (der kleine Zwischensatz „Ich weiß wirklich nicht, was diese lächerliche Demonstration bedeuten soll“ ist auch nur ein Alibi-Aufbäumen).
Die Folge ist in der Tat ein Kammerspiel, aber ein sehr gutes. Selten habe ich so eine schöne Begründung dafür gesehen, warum sich der Mörder zusammen mit Columbo in Begründungen für den Mord versteigt, obwohl er vorgibt, nichts damit zu tun zu haben. Für mich absolut eine 10 von 10 (trotz dieser einen schwachen Szene).
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@gelegentlicher Besucher: Wieso ist eine Story plump, bei der ein Zeugin so beeinflusst wird, dass sie ihrer eigenen Erinnerung nicht mehr traut?
Im Gegenteil, das entspricht doch durchaus modernen Erkenntnissen der Psychologie. Erinnerung besteht nicht aus Kopien von irgendwo abgespeicherten Bildern, die wie bei einem Computer nur abgerufen werden müssen. Erinnerung wird konstruiert, und es gibt genügend Forschung (z.B. von Elizabeth Loftus, s. auch "Das trügerische Gedächtnis" von Julia Shaw, 2016), die zeigt, dass man Menschen sogar falsche Erinnerungen einpflanzen kann, von deren Richtigkeit sie nachher überzeugt sind. Unser General war eben ein guter Amateurpsychologe, der es geschafft hat, der Augenzeugin eine richtige Erinnerung durch geschickt gesetzte Stimuli zu nehmen.
Das ist heutzutage alles schlüssig. Wundern muss man sich höchstens, dass schon die Macher von Columbo im Jahr 1971 auf so eine Geschichte kamen. Da dürfte Loftus noch ziemlich am Anfang ihrer Untersuchungen gestanden haben. Ihr Buch "Eyewitness Testimony" kam 1979 heraus.
@Randy Matthews, etc.: Die Logik des Beweises geht so: Wenn Edna die Bilder gestohlen hat, dann hatte Columbo keine Gelegenheit, sie zu berühren. Seine Fingerabdrücke sind auf den Bildern, also kann Edna sie nicht gestohlen haben. (Damit ist sie entlastet und selbst wenn Kingston nicht verurteilt würde, käme er nicht mehr an das Erbe.)
Der zweite Punkt aber ist nun, wie können Columbos Fingerabdrücke auf die Bilder gekommen sein? Columbo hat eine Erklärung: es sind die Bilder, die Kingston nach Hause brachte, die Columbo angefasst hatte, die er aber nicht sehen konnte. Kingston behauptet natürlich, dass es nicht diese Bilder waren, die Columbo berührt hat, oder er behauptet gar, dass Columbo nie bei ihm Bilder berührt hat. Aber er hat keine alternative Erklärung, wie die Fingerabdrücke auf die Bilder gekommen sind, und das ist natürlich schon ein Problem, denn das erhöht die Glaubhaftigkeit von Columbos Argument. Weiter hat Columbo als Indizien die Waffe, die auf Ednas Grundstück deponiert wurde (ebenso die Bilderverpackung). Nach der Ednas Entlastung mussten diese von jemandem dort hingebracht worden sein, der sie in Verdacht bringen wollte. Wer hatte da wohl ein Motiv? Als nächster in der Erbfolge?
Columbo hat Indizien für die Tat, kann zeigen, dass der Mörder die Gelegenheit hatte (für einen der beiden Morde) und kann auf ein offensichtliches Motiv verweisen. Außerdem spricht die Tatsache Bände, dass Kingston die Hausdurchsuchung unter Umgehung von Columbo vorantreiben ließ. Eine Verurteilung durch eine Jury wäre auch ohne Geständnis wahrscheinlich. Aber natürlich macht Kingstons Zusammenbruch in die Sprachlosigkeit am Ende (übrigens grandios geschauspielert) einen Indizienbeweis unnötig.